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Fehlanreize durch PpSG schwächen die Pflege

Am 06.08.2019 hat ein Webinar zu den Fehlanreizen des PpSG durch den Bundesverband Pflegemanagement e. V. stattgefunden. Trotz der Sommerpause haben über 50 angemeldete Teilnehmer an dem Webinar teilgenommen, überwiegend waren diese Personen in der Pflegedirektion von Kliniken tätigen (Abb. 1).

Abb. 1: Umfrage, Angaben zur Person

Zunächst wurden in einem Vortrag die verschiedenen Wirkmechanismen des künftigen Vergütungssystems für die direkte Pflege am Bett im Krankenhaus reflektiert. Die Teilnehmer wurden im Rahmen des Webinars konkret gefragt, ob in ihrer Einrichtung bereits jetzt über die für Pflegeberufe ungünstigen Aufgabenverschiebungen diskutiert wird, bzw. ob entsprechende Tätigkeitsverlagerungen bereits umgesetzt wurden. In Abbildung 2 werden die Umfrageergebnisse dargestellt. Den Teilnehmern wurde vor der Befragung eine Liste möglicher Aufgabenverschiebungen gezeigt. Die Liste ist eine Sammlung von unterschiedlichen Aktivitäten, die der Fachgesellschaft in Gesprächen mit verantwortlichen Personen in Kliniken genannt wurden. Diese waren:

  • Gehören Sie auch zu den Kliniken, in welchen kein Pflegepersonal aufgebaut wird?
  • Sind bei Ihnen auch Servicekräfte abgebaut oder offene Stellen nicht nachbesetzt worden?
  • Wurde Ihnen auch mitgeteilt, dass Sie künftig mehr Aufgaben im ärztlichen Bereich übernehmen sollen?
  • Wurden neuerdings wieder Aufgaben des Transportdienstes, Reinigungsarbeiten usw. herangetragen?
  • Sind bei Ihnen Stellen im Bereich der Stabsstellen der Pflegedirektion abgebaut, oder nicht nachbesetzt worden?
  • Werden bei Ihnen ebenfalls am Abend Patienten verschoben, um die Erfassung des Patienten um Mitternacht zu beeinflussen und die Personaluntergrenzen einzuhalten?
  • Haben Sie beobachtet, dass Personal im Bereich der Physiotherapie, Ergotherapie abgebaut oder offene Stellen nicht nachbesetzt wurden?
  • Haben Sie immer noch keine Zeit, eine adäquate pflegerische Versorgung orientiert am pflegediagnostischen Prozess und Konzepten der aktivierenden Pflege durchzuführen?

Gehen Sie öfters mit dem Gefühl nach Hause, heute nicht in ausreichendem Maße den Pflegebedarf des Patienten erfüllt zu haben?

Abb. 2: Umfrage, Diskussion über Verschiebungen

Im Rahmen des Webinars wurden anschließend verschiedene Optionen, diesen Fehlmechanismen vorzubeugen und entgegenzuwirken, aufgezeigt. Deutlich wurde, dass ausschließlich ein reines Instrument zur Pflegepersonalbemessung die Fehlanreize nicht verhindern kann.

Der weitaus wirksamere und zu bevorzugende Lösungsweg, dass für Pflege basierend auf dem Katalog zur Risikoadjustierung des Pflegebedarfes ein eigener Pflegeerlöskatalog entwickelt wird und pflegerische Leistungen künftig über einen „Landesbasisfallwert Pflege“ finanziert werden, wurde schrittweise in der Umsetzung vorgestellt. Wichtige Impulse zur Entwicklung des Fallpauschalenkatalogs der Pflege sind zwei OPS-Anträge zu dieser Thematik (siehe unter Änderungsanträge beim DIMDI 2020), welche detailliert vorgestellt wurden. Am Ende des Vortrages wurden die Teilnehmer befragt, ob diese den Weg zu einem eigenen Pflegeerlöskatalog (= Fallpauschalenkatalog für die Pflege) unterstützen möchten. Abbildung 3 zeigt das eindeutige Votum der Webinar-Teilnehmer zugunsten der Lösung des Pflegeerlöskatalogs.

Abb. 3: Umfrage zur Entwicklung eines Pflegeerlöskatalogs

Mit dem Ausbau pflegeeigener Fallpauschalen basierend auf dem Entwurf des „Kataloges zur Risikoadjustierung des Pflegebedarfes“ des InEK könnten die Pflegepersonaluntergrenzen abgesetzt werden. Über diesen Weg erhält Pflege zudem eine kostenfrei nutzbare Fachterminologie basierend auf dem BAss (Patientenzustände) und ausgewählten Interventionen des Pflegeklassifikationssystems European Nursing care Pathways (ENP) inklusive Zeitwerten. Somit wird die Digitalisierung der Pflegeprozessdokumentation gefördert, Doppeldokumentation und Zusatzdokumentation für Abrechnung oder Personalbemessung entfallen.

Das Webinar wird am 10.09.2019 wiederholt.

Informieren Sie sich darüber, aus welchen Gründen uns Pflegenden eine Pflegepersonalbemessung alleine nicht weiterbringen wird und wie ein alternativer Weg aussehen könnte. Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten sie hier.

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Hauptstadtkongress 2019 - Wir meinen das ernst!


Die Fachgesellschaft Profession Pflege e. V. und der Bundesverband Pflegemanagement e. V. beantragen die Aufnahme von zwei neuen OPS-Schlüsseln. Diese sind mit zwei seit Jahren entwickelten Instrumenten zur Abbildung des Pflegebedürfnisses und -bedarfes verbunden. Damit bieten die Verbände den Systempartnern und Kliniken ein qualifiziertes System zur Abbildung von Pflege an. Die Vorstellung fand auf dem Hauptstadtkongress 2019 statt.

Meinungsbild klar pro PKMS


Im Rahmen eines erstmalig in Kooperation zwischen der Fachgesellschaft und dem Bundesverband Pflegemanagement (BV) durchgeführten Webseminars zum Thema PpSG und Pflegepersonaluntergrenzen zeichnete sich ein deutliches Meinungsbild ab. In einer in diesem Rahmen anonym durchgeführten Teilnehmerbefragung wurde nicht nur angegeben, dass aufgrund der neuen Gesetzeslage bereits Pflegepersonalverschiebungen vorgenommen werden mussten, sondern auch, dass es 71 % des Teilnehmerkreises schlecht finden würden, wenn der PKMS tatsächlich aus dem G-DRG-System gestrichen werden würde.


Alle Umfrageergebnisse & eine Videoaufzeichnung des Webseminars finden Sie hier.