Neuigkeiten
Update aus der Arbeitsgruppe Pflegediagnostik: Neues Modul (Hypertonus) zur heilkundlichen Tätigkeit veröffentlicht
Hintergrund
Die Fachgesellschaft Profession Pflege e. V. befasst sich vor dem Hintergrund neuer gesetzlicher Regelungen (§§ 15a, 64d, 112a SGB V) intensiv mit der Frage, wie heilkundliche Tätigkeiten von Pflegefachpersonen fachlich fundiert, transparent und rechtssicher umgesetzt werden können. Ziel dieser Entwicklungen ist es, künftig klarer zu definieren, welche Leistungen auf Grundlage einer ärztlichen Diagnose und Indikationsstellung sowie welche Leistungen auf Basis pflegerischer Diagnostik und Entscheidungsfindung erbracht werden können. Bereits zuvor hatte die Arbeitsgruppe ihre Ziele und ersten Arbeitsergebnisse vorgestellt. Weitere Informationen finden Sie unter folgendem Link:
Standardisierte Pflegeklassifikationen als Grundlage
Die Arbeitsgruppe hat sich darauf verständigt, für die fachliche Beschreibung von Pflegediagnosen und pflegerischen Interventionen etablierte und in der Praxis eingesetzte Pflegeklassifikationssysteme zu nutzen. Ziel ist es, eine nachvollziehbare und anschlussfähige Grundlage für die Entwicklung heilkundlicher Pflegeleistungen zu schaffen. Berücksichtigt werden ausschließlich Systeme, die den Mitgliedern der Arbeitsgruppe zur Verfügung stehen und bereits im deutschsprachigen Versorgungskontext eingesetzt werden:
- ENP (European Nursing care Pathways)
- NANDA-I: https://nanda.org/
- ICNP (International Classification for Nursing Practice): https://www.icn.ch/icnp-browser
- LEP (Leistungserfassung in der Pflege): https://www.lep.ch/de
Erste konsentierte Module liegen vor
Im Zeitraum von Mitte Februar bis Ende März 2026
bearbeitete die Arbeitsgruppe zunächst die drei priorisierten Themenbereiche:
- Diabetes mellitus
- Chronische Wunden
- Demenz
Zentraler Ausgangspunkt der Analysen waren Pflegediagnosen als pflegefachlicher Handlungsanlass für heilkundlich relevante Interventionen. Auf dieser Grundlage wurden mögliche übertragbare ärztliche Tätigkeiten identifiziert und fachlich eingeordnet. Bei der Entwicklung wurde auf die Anlagen 1 des Rahmenvertrages § 64d sowie auf die standardisierten Module zum Erwerb erweiterter Kompetenzen zur Ausübung heilkundlicher Aufgaben der Fachkommission §53 PflBG zurückgegriffen.
Folgende Veröffentlichungen standen bereits zur Verfügung:
- Stellungnahme
- Tabelle Übertragbare ärztliche Tätigkeiten_chronische Wunde
- Tabelle Übertragbare ärztliche Tätigkeiten_Demenz
- Tabelle Übertragbare ärztliche Tätigkeiten_Diabetes
- Tabelle Übertragbarer ärztlicher Tätigkeiten – Schmerzmanagement
Neues Modul: Schmerzmanagement
Die Arbeitsgruppe Pflegediagnostik der Fachgesellschaft Profession Pflege e. V. hat ein weiteres Modul zur Beschreibung heilkundlicher Tätigkeiten von Pflegefachpersonen konsentiert und veröffentlicht. Das neue Modul orientiert sich am durch die Fachkommission nach § 53 PflBG entwickelten Modul „W4 – Erweiterte heilkundliche Verantwortung für Pflege- und Therapieprozesse mit Menschen aller Altersstufen, die von einem Hypertonus betroffen sind“.
Grundlage der Ausarbeitung sind standardisierte Pflegediagnosen (ENP, NANDA-I, ICNP) und pflegerische Interventionen (ENP, ICNP, LEP) aus in Deutschland etablierten Pflegeklassifikationssystemen. Damit wird erneut aufgezeigt, wie pflegerische Diagnostik als Handlungsanlass für heilkundliche Entscheidungen und Leistungen konkret beschrieben und fachlich nachvollziehbar dargestellt werden kann. Die Veröffentlichung versteht sich als weiterer Beitrag zur aktuellen Diskussion um die Ausgestaltung eigenverantwortlicher heilkundlicher Tätigkeiten von Pflegefachpersonen im Rahmen der neuen gesetzlichen Regelungen. Die inhaltliche Ausrichtung knüpft an die bereits veröffentlichten Arbeiten zu Diabetes mellitus, Demenz, chronischen Wunden und Schmerzmanagement an. Grundlage der Arbeiten sind die Überlegungen der Arbeitsgruppe zur Umsetzung heilkundlicher Tätigkeiten mit Pflegediagnosen als Handlungsanlass und pflegerischen Leistungskatalogen.
Warum diese Arbeit wichtig ist
Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe zeigen, dass Pflegediagnosen eine zentrale Voraussetzung für die systematische Entwicklung heilkundlicher Tätigkeiten der Pflege darstellen. Sie beschreiben den pflegefachlichen Handlungsanlass, begründen Interventionen und unterstützen eine nachvollziehbare Entscheidungsfindung.
Gleichzeitig schaffen standardisierte Pflegediagnosen und Pflegeklassifikationen wichtige Voraussetzungen für:
- die Weiterentwicklung heilkundlicher Kompetenzen der Pflege,
- eine einheitliche pflegefachliche Sprache,
- digitale und interoperable Dokumentationsprozesse,
- die transparente Darstellung pflegerischer Leistungen und Ergebnisse sowie
- zukünftige Entwicklungen im Bereich der Leistungs- und Personalbemessung.
Mitarbeit erwünscht
Weitere Module befinden sich derzeit in Bearbeitung und werden nach Abschluss der Konsentierungsverfahren veröffentlicht.
Interessierte Pflegefachpersonen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Führungskräfte aus der Pflege sind herzlich eingeladen, sich aktiv an der Arbeit der Arbeitsgruppe zu beteiligen. Informationen zu den nächsten Terminen und Beteiligungsmöglichkeiten werden regelmäßig veröffentlicht.